Mütter und Töchter

Jede von uns Frauen kennt wohl die oft schwierige Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Sie ist einzigartig – und vor allem völlig anders als die zwischen Vater und Sohn oder erst recht die zwischen Mutter und Sohn oder Vater und Tochter.

 

Die erste Beziehung für jedes Kind ist in der Regel die Mutter und somit ur-weiblich. Irgendwann findet ein Sohn sein Vorbild im Vater/Großvater/einer männlichen Person und wechselt damit die Vorbildrolle. Bei uns Töchtern ist das anders. Die weibliche Vorbildrolle der Mutter bleibt viele Jahre bestehen. In der Pubertät, aber oft auch erst viel später, beginnt die Veränderung und wir Töchter möchten herausfinden, wer wir wirklich sind. Wir beginnen, uns zu distanzieren und suchen unsere eigene Identität. Diese Phase der Selbstfindung ist oft nicht gerade einfach und beide, Mutter und Tochter, müssen diese aushalten können, um später wieder zu einem gesunden und liebevollen Verhältnis zu finden.

 

Wenn dieses von Kindheit an belastet ist, fehlende Nähe und Liebe oder zu viel Klammern und Festhalten den gesunden Prozess der Selbstfindung verhindern, dann schlägt sich das möglicherweise später auf unsere Eigenständigkeit und unsere Bindungsfähigkeit nieder.

 

Wenn ich jetzt mit 60 meine eigene Rolle als Tochter rückblickend betrachte, stelle ich fest, dass ich lange Zeit gar nicht auf die Idee kam, meine eigene Identität zu suchen, sondern einfach dieses erlebte Frauen- und Mutter-Bild unhinterfragt in meine Ehe übernommen habe. Was zunächst einfach schien, fiel mir zunehmend immer schwerer und ging irgendwann gar nicht mehr. Ich distanzierte mich extrem zu allem und allen. Zu meiner Mutter, meinem Mann, meiner Ehe. Dann begann ich, mich selbst zu finden und Stück für Stück in einem langen Prozess dieses so wichtige Verhältnis zu klären.

 

Wie sieht es bei dir aus? Hast du eine liebevolle Beziehung zu deiner Mutter? Egal, ob sie noch lebt oder dir schon von der anderen Seite aus liebevoll zuschaut. Für uns als Frauen ist diese Klärung gerade für das eigene Beziehungsleben so wichtig. Und wie geht es dir mit deiner pubertierenden oder schon erwachsenen Tochter?